Eigentlich ist das iPad ja eine prima Ergänzung für die Cacher-Ausstattung. Handlich, großes Display, lange Akkulaufzeit…
Doch wie sieht es in der Praxis aus? Ich wollte einmal testen, ob das iPad wirklich ein geeignetes Werkzeug ist oder wo es womöglich noch Defizite gibt.
Hierfür habe ich einmal ein paar Aufgaben definiert, die ich mal unter die Lupe nehmen wollte:
- Planung (auch unterwegs Caches mühelos finden und planen)
- Orientierung (das iPad als GPS-Ersatz oder Ergänzung?)
- Dokumentation (Waypoints unterwegs dokumentieren und das anschließende Loggen)
- Zusatzfunktionen
Die Hardware
Zunächst einmal zum Gerät selbst. Für den Außeneinsatz sollte es natürlich eine 3G-Version sein. Speicher und Farbe sind eher zweitrangig… zu bedenken ist aber, dass beim Feldeinsatz ein robustes Case sinnvoll ist. Die Original Smart Cover bieten eine Abdeckung für das Display, nicht aber für den Boden. Zur Vermeidung von Kratzern habe ich selbst ein Cover von Macally. Die gibt es in den Farben Schwarz, Grau, Blau und Rot – ich selbst habe Rot.
Die Apps und Programme
Hier geht bereits ein Problem los. Groundspeak bietet derzeit nur eine Version für das iPhone an, damit wird beim iPad nur ein Mini-Fenster angezeigt. Also sind Alternativen gefragt. Was ich mir eigentlich wünsche? So etwas wie c:geo oder neongeo (schöne Programm für Android-Phones) in großer Auflösung. Solch eine App gibt es leider nicht. Ich habe daher folgende Apps und Umgebungen ausprobiert:
- Geocaching.com (Web)
Schon die einfache Nutzung der Geocaching-Seite ist eine herbe Enttäuschung.
Die “neue” Kartensicht funktioniert nicht beim iPad. Ein bekannter Bug, der nicht behoben wird.
Die “klassische” Kartensicht ist schwer zu bedienen beim iPad.
schlecht - Geocaching App von Groundspeak
Wer den Komfort z.B. von c:geo gewohnt ist, wird von der App sehr enttäuscht sein.
Und das größte Problem: Es handelt sich um eine iPhone App. Also miese Auflösung – für ein iPad ungeeignet.
In den Groundspeak-Foren gibt es schon lange den Wunsch nach einer iPad Version.
Aber nach mehr als einem Jahr noch immer keine Reaktion des Groundspeak Teams.
schlecht - Geo Bucket
Eigentlich ganz ok. Caches werden auf der Karte dargestellt und es gibt ein paar Basisfunktionen.
Aber: Es sind keine Live-Caches auf der Karte – man muss zuvor gpx-Dateien erzeugen.
Insgesamt also recht umständlich.
mittelmäßig nutzbar - Google Maps
Naja, Google Maps funktioniert natürlich. D.h. die Basisnavigation funktioniert.
Nur leider ohne Cache-Bezug.
mittelmäßig nutzbar - Geocaching Toolkit iGCT
Das Design ist gewöhnungsbedürftig aber der Funktionsumfang ist gut. Wandeln, Decodieren, Kalkulieren…
Viele Dinge sind hier abgedeckt. Das Tool ist kostenlos, es lohnt sich also, es auszuprobieren. Wenngleich es bei Android bessere Programme gibt.
Ok - Compass for iPad
Ein einfacher (kostenloser) Kompass. Simpel aber hilfreich z.B. bei Peilungen. Gibt Gradzahl der Richtung an.
Ok
Zwischenfazit
Was die Planung und unmittelbare Durchführung angeht, bietet das iPad keinerlei Vorteile gegenüber einem Android Smartphone.
Leider. Dabei hätte das Gerät viel Potential. Aber die Programme werten derzeit nur indirekt Caches und Waypoints aus oder sind nicht für das iPad angepasst, sodass die Möglichkeiten nicht genutzt werden.
In einem Bereich kann das iPad jedoch auftrumpfen: Beim Loggen und der Nachbetrachtung wird es interessant. Der Logeintrag im Cachemobil geht gut – wesentlich besser als z.B. per Smartphone. So gibt es auch von unterwegs schönere Logeinträge als “FTF – TFTC”. Und noch ein weiterer Aspekt ist zu beachten: Gerade bei Nachtcaches/Multis ist es sinnvoll, die einzelnen Stationen zu dokumentieren. Wie oft habe ich am Final erlebt, dass eine gemeine Frage für den Bonus kam: “Wie oft kam das Wort XYZ vor…?” oder “Welche Farbe hatte die Dose an Station X?”
So habe ich mir angewöhnt, nicht nur die jeweils nächsten Koordinaten aufzuschreiben, sondern auch jede Zwischenstation zu fotografieren.
Bei dieser direkten Dokumentation spielt das iPad seine stärke aus: Gute Tastatureigenschaften (keine unleserliche Handschrift mehr) und vernünftige Kamera. Und auch nach dem Cache gibt es keine Zettelwirtschaft mehr, wenn man z.B. als Telefonjoker für andere Cacher-Kollegen herhalten muss. Feine Sache.
Manchmal teilt man seine Geschichten auch mit anderen – z.b. per Blog, Twitter, Facebook, Google+ etc.
Hier stehen dem iPad gute Tools zur Verfügung. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die WordPress-App. Aber das ist ja bereits etwas jenseits des Geocachings.
Fazit
Das Potential des iPads bleibt für Geocaching leider ungenutzt. An der Hardware liegt es nicht. GPS, lange Akkudauer, großes Display… Aber die Entwickler haben das iPad einfach noch nicht für den Außeneinsatz entdeckt. Bei Groundspeak wird es auf absehbare Zeit wohl keine iPad App geben – und wenn, wäre sie mit dem Funktionsumfang der Android Apps c:geo oder Neongeo nicht wirklich vergleichbar. Dass noch nicht mal die Karte der Geocaching-Webseite nutzbar ist, enttäuscht wirklich.
Die anderen Apps begnügen sich mit der Aufbereitung von gpx-Dateien oder der Unterstützung über Waypoint Navigation – die Bedienung ist aber recht umständlich. Man hat nicht einfach die Caches automatisch auf dem Schirm, sondern muss sie anlegen oder importieren.
Einzig in der Dokumentation kann das iPad einige Stärken ausspielen – doch auf absehbare Zeit werde ich draußen nicht auf mein HTC Desire verzichten können. Schade. Wenn jemand andere Erfahrungen oder Tipps hat, bitte einfach die Kommentarfunktion nutzen.






Der Titel des Caches bezieht sich auf einen Spruch “I love you” an der Mauer der gegenüberliegenden Uferseite. Was die Besucher des Caches von Land aus nicht sehen: An der eigenen Mauer steht als Antwort darauf “I love you too”. Der Cache ist ein Micro mit der Wertung 1/1 für Difficulty und Terrain – und das geht auch in Ordnung, denn die Dose ist leicht zu finden und einfach zugänglich. Wir waren aber mit dem Boot unterwegs und konnten den Cache erst bei der abendlichen Rückfahrt bergen, da tagsüber (bei gutem Wetter) doch einige Muggles vor Ort sind.







